Schuldenfalle Studium?

schuldenfalleIn England bricht ungefähr jeder sechste sein Studium ab – die Angst, auf einem unüberwindbaren Schuldenberg sitzen zu bleiben, ist zu groß.
Vor gut 10 Jahren führte man in England Studiengebühren ein: 1.175 britische Pfund, das sind umgerechnet ca. 1.700 Euro pro Jahr durften seitdem bezahlt werden.

Seit Herbst 2006 sind es satte 3.000 Pfund, die ein Studi dort bezahlen soll, knapp 4.500 Euro. Pro Jahr. Dass sich nur noch sozial Bessergestellte ein Studium erlauben können, scheint da fast klar. Oder aber man unterbricht sein Studium ein- oder mehrfach, um zwischendurch Vollzeit arbeiten zu gehen, bis man wieder genug Geld zusammenhat, um weiterzustudieren. Nebenher jobben reicht da womöglich nicht mehr. Oder, als letzte Möglichkeit, man nimmt einen Kredit auf.
Wobei, wenn man das mal durchrechnet, kommen einem schon mehr als leise Zweifel.
Bei einem 3-jährigen Studium macht das also ungefähr 13.700 Euro alleine an Studiengebühren. Rechnet man dann noch die Kosten für Unterkunft (und die sind verdammt teuer in England) und Verpflegung drauf, dann ist man schnell bei einer Summe, die 30.000 Euro übersteigt. Zumal es in England gang und gebe ist, nach der Uni noch so eine Art „After-Work” Drink mit seinen Kommilitonen trinken zu gehen. Wer nicht mitmacht, ist auch noch mit einem sozialen „Aus” konfrontiert.
Über 30.000 Euro für ein 3-jähriges Studium? Beim besten Willen: nein, danke.

In Deutschland sieht die Situation (noch) nicht ganz so schlimm aus, aber durch die fatale Kombination von Studiengebühreneinführung und Umstellung auf die wesentlich schnelleren Bachelor- und Master-Studiengänge ist die Richtung derzeitig eindeutig.
Die Zahl der verschuldeten Hochschüler steigt auch hier. Das Studium muss in einer wesentlich kürzeren Zeit durchgezogen werden. Da bleibt wenig Zeit für Jobben oder studentische Aktivitäten.
Der Erfolgsdruck wird immer größer, es müssen ab dem ersten Semester Nachweise geliefert werden. Eine Studie des Hochschul-Informations-Systems aus 2008 besagt, dass mittlerweile jeder Vierte sein Bachelor-Studium aufgab.
Dazu kommen völlig uneinheitliche Systeme: fast jede Hochschule hat eigene Aufnahmebedingungen.

Hochschule – quo vadis?

2001 dürfte es noch einmal spannend werden. Das ist das erste Jahr in dem es doppelte Abiturjahrgänge, und damit doppelte Studienanfängerzahlen, geben wird. Dann wird das Gymnasium auf eine achtjährige Schulzeit umgestellt.
Alles wird schneller durchgezogen, wir sollen in kürzerer Zeit schneller lernen und ein Studium schaffen. Und wo bleibt der Mensch, wo das erwachsen werden?

Ganz ehrlich? Wenn ich bedenke, dass ich nach meinem Abi vor etlichen Jahren auch vor der Entscheidung Studium oder schulische Berufsausbildung stand, ich würde heute noch mehr als damals wieder den Weg der Berufsausbildung wählen. Dann hätte ich immer noch mit Mitte Zwanzig Zeit mich für ein Studium zu entscheiden.
Und hätte die Gewissheit und das Selbstvertrauen, um einige Dinge anders anzugehen.
Wer möchte denn bitte von einem 18-jährigen Abiturgänger erwarten, dass er sich womöglich auf Jahrzehnte verschuldet?

Die Wahl sollte gut überlegt sein – und wenn man sich für ein Studium entscheidet, dann sollte man die Finanzierung gut überlegen. Bafög, Kredit, Eltern, jobben? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem, um es im harten Hochschulsystem zu schaffen.

Informationen sind das A und O, ein paar davon erhält man hier:

Bafög: www.das-neue-bafoeg.de

Kredit: z.B. die KfW Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau)

Und bestimmt bei jedem Studentenwerk an den Uni und dem örtlichen Bafög-Amt.

Bild: © by www.JenaFoto24.de / Pixelio

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