Studiengebühren-Abzocke an der Hochschule Niederrhein
Es hört einfach nicht auf, die Debatte über die Studiengebühren. In immer mehr Fällen werden nun berechtigte Zweifel über die Verwendung der Studiengebühren laut.
Neuster Fall: Die Hochschule Niederrhein in Krefeld und Mönchengladbach. Studentenvertreter wurden nach einer etwas konfusen Einnahmen-Ausgaben Aufstellung ihrer Uni im Herbst 2008 misstrauisch und rechneten mal nach. Das Ergebnis: Die Hochschule hatte seit Einführung der Studiengebühren im Wintersemester 2006/2007 jedes Jahr einen Überschuss von mehreren Millionen die nicht ausgegeben wurden sondern mit ins nächste Jahr übertragen wurden. Und so nahm die FH bei der Jahreswende 2007/2008 gut 3 Millionen Überschuss mit hinüber und zur Jahreswende 2008/2009 waren es dann schon 6 Millionen.
Es war zwar Geld ausgegeben worden, ja: „Sprachkurse und psychosoziale Beratung wurden geschaffen, für die Studenten Tutorien und Zeitmitarbeiter eingekauft, die Bibliothek erhielt mehr Geld, und man schaffte technische Ausrüstung für Hörsäle und Labore an.”
Dennoch bleiben jedes Jahr Unsummen an Studiengebühren liegen und wurden nicht für die „Verbesserung der Lehre und der Studienbedingungen” ausgegeben, wie es das Nordrhein-Westfälische Studienbeitragsgesetz vorschreibt.
Wo sind also all die hart und mühsam abgesparten oder verdienten Studiengebühren geblieben, fragte sich der AStA der Hochschule Niederrhein und hakte vehement beim Rektor der FH nach. Das Geld werde “mittelfristig bis 2015 in Personal investiert, genauer in 15 Professorenstellen und ebenso viele Mitarbeiterstellen”, erwiderte der Rektor. Was die Studentenschaft noch mehr erzürnte, da es jetzigen Studenten genau gar nichts bringt, wenn im Jahr 2015 mehr Professoren lehren. Zudem ist es eigentlich Landesaufgabe, das Schaffen und Bezahlen der Professorenstellen. Nur machen das immer weniger Bundesländer.
So dass sich etliche Hochschulen mit der schwierigen Lage konfrontiert sehen, entweder sie zahlen das aus den eigenen Mitteln bzw. den Geldtöpfen, die voll sind. Und das sind im Falle der FH Niederrhein nun mal die Studiengebühren-Töpfe. Bitter, aber wahr.
Ein Antrag der Studentenschaft auf unmittelbare Kürzung der Studiengebühren wurde im Senat der FH niedergeschmettert. Die Studentenvertreter sind sauer, verbittert. Robert Kramer, Mitglied des AStA, ebenfalls: Aus seiner Sicht demütigt das Rektorat die Studenten und wählt “den ganz bequemen Weg”. “Die sollen ihre Hausaufgaben machen und die Millionen sinnvoll einsetzen oder uns zurückgeben, denn wir brauchen es dringender”, fordert er.
Die Entwicklung setzt sich in anderen Bundesländern, an anderen Unis, fort: es ist zu befürchten, dass die Studentengelder nach und nach die normale Finanzierung der Unis übernehmen. Und der Staat freut sich, weil er mehr einsparen kann.
Meine Güte, da nimmt man als Student schon einen Kredit auf, zusätzlich zum Bafög, geht nebenbei jobben, damit man sich die Studiengebühren und alles weitere „leisten” kann, und dann geben die Unis die Gelder noch nicht einmal für das Vereinbarte aus!
Armes Deutschland.
Quelle: spiegel.de
Bild: © by Ernst Rose / Pixelio

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